KZ-Transport 1945 von Buchenwald über Nammering nach Dachau

Klick  -->  das Bild wird groß      Bild links oder Bild rechts  --> Bild wechselt     am Rand klicken  --> Zurück

Was geschah 1945  auf dem Bahnhof in Nammering?

Es war das schlimmste Nazi-Verbrechen in Niederbayern

Ein KZ-Transport  aus Buchenwald mit 5.000 Menschen

war hier 5 Tage lang auf dem Bahnhof in Nammering in 54 Waggons abgestellt.

 Hier wurden 794 Häftlinge ermordet.

“Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.”

(Richard von Weizsäcker)

Aufbau der Internetseite

Kurzbeschreibung - Überblick

Das KZ Buchenwald damals

Buchenwald liegt am Rande der Stadt Weimar in Thüringen. Am Ende des Krieges ist Buchenwald das größte KZ mit 48.000 Menschen.

Am 7. April 1945 musste das illegale Lagerkomitee unter dem Druck schwerbewaffneter SS-Leute 4500 Gefangene bereitstellen.

Der Zug mit 5.009 Häftlingen sollte zum KZ-Flossenbürg geleitet werden, musste aber nach Osten über Dresden und Pilsen ausweichen. Bis Nammering war er schon 10 Tage unterwegs.

Auf dem riesigen Gelände steht nur noch 1 Baracke und die großen Funktionsgebäude des Lagers. Jedes Jahr finden Gedenkfeiern statt. Eine neue Ausstellung lohnt einen Besuch.

5 Tage Halt in Nammering

In Nammering gibt es Abstellgleise vom Steinbruch. Da musste der Zug vom 19. bis 24. April 1945 warten.

Als unmittelbarer Zeitzeuge sagte der Bahnbeamte Heinrich Klössinger aus: “Dauerndes Schießen war bei Tag zu hören und Hilferufe, Geschrei und Jammer hallte durch die dunkle Nacht.”

Pfarrer Bergmann von Aicha half

Er rief in der  Kirche zu Lebensmittelspenden  für die KZ- Häftlinge in Nammering auf, obwohl es ihm die Parteileitung streng verboten hatte. Er hatte damit sein Leben riskiert!

Andere Zeugen sagten aus

Es gibt noch einige schriftliche Zeugenaussagen, die großen- teils von den amerikanischen Stellen beurkundet wurden.

“Totenwiese” Massengrab

Es waren viele hundert Leichen da und wurden im Massengrab beerdigt. Die Amerikaner befahlen, die bereits in Verwesung übergegangenen Toten auszugraben.

Die ganze Bevölkerung aus Nammering und Umgebung musste zur "Totenwiese" und dort in einer Art Prozession durch die Reihen der Toten gehen.

5 Begräbnisstätten in Dorfmitte

Jeder Ermordete musste einen Holzsarg bekommen, an 5 Orten mussten Männer und Frauen die Gräber ausheben und die ganze Bevölkerung musste bei der Beerdigung dabei sein.

Friedhöfe heute

Alle 5 Friedhöfe wurden 1950 feierlich eingeweiht, später 3 Friedhöfe aufgelöst. Heute besteht noch in Eging ein Ehrenfriedhof mit 171 Toten; in Fürstenstein noch ein Grabstein für 39 Opfer.

Totenwiese heute

Ein neues Birkenkreuz wurde errichtet. Es soll den historischen Platz kennzeichnen und auch an das Kreuz von Ludwig Gartner erinnern. Wegweiser ist vorhanden.

Weiterfahrt bis Dachau

Nach dem fünftägigen Aufenthalt in Nammering bewegte sich der Transport  über Kalteneck - Passau  weiter in Richtung  Pocking, München nach Dachau. Nochmal 3 lange Tage.

Todeszug kommt in Dachau an

Am 27. April mittags und 28. April um 1 Uhr nachts kommt der Todes- zug in zwei Teilen in Dachau an. Ein Zug von Sterbenden und Toten. Es wurden 2.310 Tote und 816 Überlebende gezählt.

Merbach vor Gericht

Merbach wurde im Buchenwald-Hauptprozess in Dachau insbesondere wegen seiner  Verantwortung für die Todesfälle während des Evakuierungstransportes 1947 zum Tode durch den Strang verurteilt und am 14. Januar 1949 in Landsberg hingerichtet.

1984 Mahnmal errichtet

40 Jahre lang gab es keinen Gedenkstein, kein Schild. 1984 wird zwischen der ”Totenwiese”€ und dem Bahngelände von der Gruppe Friedensforum das Mahnmal errichtet.

Jakob Petri am 28.4. ermordet

Noch in der  Nacht bevor die Amerikaner eintrafen wurde Jakob Petri, der Paus-Müller, - von der ”Braunen Schwester”€ denunziert - von SS- Leuten im  Aichaer Pfarrhölzl durch einen Genickschuss ermordet.

2015 Gleis der Erinnerung

Zur Gedenkfeier im Jahr 2015 wurde das Gleis der Erinnerung aufgebaut, denn das Mahnmal liegt ziemlich weit hinten und versteckt im Wald.

1994 Buch erschienen

Das Buch “Nie werde ich vergessen” haben Hans Hübl und Nikolaus Saller als Arbeitsgemeinschaft KZ-Transport 1945 mit finanzieller Unterstützung durch die Gemeinde Fürstenstein herausgegeben.

Häftlingsberichte

Nur wenige Überlebende haben bisher berichtet. So sind bei Erscheinen des Buches von 1994 auch nur die folgenden 3 Häftlingsberichte aufgenommen.

Robert Darsonville, Franzose

Robert Darsonville hat seine Aufzeichnungen während des Transportes  auf einigen Fetzen Papier im April 1945 machen und sie retten können. Es sind nur Tatsachen der lebendigen  Erinnerung, die bei den Kameraden wieder die Schmerzen, die Verzweiflung aber auch die Hoffnung dieser Hölle zu entkommen lebendig werden  lassen.

Lazarro Levi, Italiener

Lazarro Levi war ein italienischer Jude aus Trieste.  Diesen Bericht hat er am 29. Juni 1945 geschrieben aufgrund mündlicher Aussagen von 8 anderen Mithäftlingen.         (Es ist ein sehr erschütternder Bericht!)

Gleb Rahr, Russland

Der ehemalige KZ-Häftling russischer Abstammung, Gleb Rahr,  schrieb für die vorliegende Dokumentation  seine Erinnerungen an den Transport auf. Er war in 5 Konzentrationslagern.

Gedenkfeiern  ab 1985

Das Friedensforum hat zu dieser ersten größeren Gedenkfeier beim neu errichteten Mahnmal  öffentlich eingeladen. Am 40. Jahrestag, dem 21. April 1985, wurde das Mahnmal eingeweiht. 

Mahnmalbesuche

Zum neu errichteten  Mahnmal kamen viele andere Besucher. Ab 1985 gab es  jedes Jahr Gedenkstunden. Ab 1995 hat die Gemeinde Fürstenstein zu den großen Gedenkfeiern eingeladen.

Wladimir Uwarow, Überlebender v. Moskau

Der 75jährige Wladimir Uwarow aus Moskau hat 1945 den Transport von Buchenwald nach Dachau überlebt und wollte von sich aus seinen Leidensweg nochmal gehen.

1995 Gedenkfeier 50 Jahre

Diesmal hatten auch die Gemeinde Fürstenstein und der PGR Nammering zu einem gemeinsamen Gedenken eingeladen. Wladimir Uwarow legte eine Handvoll Heimaterde nieder.

1999 Buch von Bertrand

Francois Bertrand aus Paris hat für “Der Todeszug nach Dachau” eingehend in zahlreichen franz., deutschen und amerikanischen Dokumenten geforscht. Seine Zahlen sind hier übernommen worden.

2001 Pilgerfahrt von franz. Überlebenden

Eine Gruppe von 7 ehemaligen franz. Häftlingen machte im Juni 2001 unter der Leitung von Francois Bertrand in einem Bus eine Pilgerfahrt nach Aicha aus Dankbarkeit gegenüber Pfarrer Bergmann.

2005 Gedenkfeier 60 Jahre

Zu dieser großen Gedenkfeier kamen über 200 Besucher. Es war auch der Ehrengast Dr. Fajer da und sprach zu uns. Die Reden am Bahngelände kann man hier lesen.

Dr. Jersey Fajer

Der besondere Ehrengast Dr. Jersey Fajer bereicherte die Gedenkfeier 2005. Er stammt aus Polen und kam ins KZ  Buchenwald. Seit vielen Jahren ist er deutscher Staatsbürger und war Arzt.

2015 Gedenkfeier 70 Jahre

Es planten 3 gemeinsam: Gemeinde, AG KZ-Transport und IG Metall Passau. Diese errichtete einen neuen Gedenkstein und die AG KZ-Transport baute das neue Gleis der Erinnerung auf. Der Überlebende Pavel Kohn aus Prag sprach über seine Leidenszeit in den KZ.